Minimal-operative Wirbelsäulenoperationen
Hier sollen Sie die gängigen Verfahren der Wirbelsäulentherapie kennenlernen, wobei die Erfahrung zeigt, dass etwa 90% der degenerativen Wirbelsäulenerkrankungen konservativ mit Physiotherapie und Schmerzmitteln in der akuten Phase behandelt werden können. Erst wenn diese Behandlungen versagen, wird über eine minimal-invasive, mikrochirurgische oder offene Operationsbehandlung der Beschwerden nachgedacht. Sowohl im HELIOS Klinikum Berlin Buch als auch in der MEOCLINIC gilt dabei der Grundsatz, Eingriffe so minimal wie möglich aber so umfangreich nötig durchzuführen.
Die nachfolgenden Abschnitte sind nach diesem Prinzip gegliedert, im Abschnitt Endoskopische Bandscheibenoperation werden Sie Schritt für Schritt durch einen solchen Eingriff mit den entsprechenden Videoclips geführt.
Periradikuläre Therapie (PRT)
Bei dieser Behandlung wird die Nervenwurzel und ihre nähere Umgebung (perineurale Injektion) und/oder der benachbarte, im Wirbelkanal gelegene Periduralraum (peridurale oder epidurale Injektion) behandelt. Mit Hilfe der Computertomographie (CT) oder dem digitalen Bildwandler im OP oder Eingriffsraum (wesentlich geringere Strahlenbelastung) wird die zielgenaue Injektion Medikamente kontrolliert. Gegeben wird ein entzündungshemmendes Cortisonpräparat in sehr geringer Dosierung, das die entzündlichen Veränderungen wie Schwellung und Durchblutungsstörungen des Nervs verbessert. Zusätzlich verabreicht wird ein Lokalanästhetikum (Medikament zur örtlichen Betäubung), das den Schmerz lindert, indem es die Empfindlichkeit des Nervs für Schmerzen vermindert.
Zwischen den Wirbeln tritt auf jeder Etage jeweils rechts und links eine Nervenwurzel aus dem Spinalkanal der Wirbelsäule aus. Wenn die abgehenden Nervenwurzeln durch einen Bandscheibenvorfall oder eine –Vorwölbung bedrängt werden, verspürt man einen in einen Arm oder ein Bein ausstrahlenden Schmerz oder ein Taubheitsgefühl.
Die PRT ist wiederholbar, wird jedoch von uns nicht öfter als dreimal durchgeführt. Die Durchführung der Behandlung dauert nicht länger als etwa 15 bis 20 Minuten. Nur in äußerst seltenen Fällen kann es zu Blutungen, Nervenverletzungen oder Infektionen kommen (im eigenen Krankengut noch kein einziger Fall). Ein mögliches Taubheitsgefühl oder eine Muskelschwäche der entsprechenden Extremität nach der Punktion kommt gelegentlich vor, ist durch die Wirkung des örtlichen Betäubungsmittels bedingt und verschwindet nach wenigen Stunden. Ambulante Patienten müssen sich daher begleiten lassen und dürfen in den folgenden Stunden kein Auto fahren.
Dynamische Interspinöse Spacer
Dieses ist ein relativ neues Verfahren, um die Folgen der Bandscheibendegeneration zu lindern. Über einen sehr kleinen Schnitt wird zwischen den Dornforsätzen ein Platzhalter (sogenannter spacer) implantiert. Dadurch werden die kleinen Wirbelgelenke sofort entlastet und durch die Aufspreizung der Spinalkanal ein wenig erweitert. Allerdings muss in über der Hälfte der Fälle nach einigen Jahren doch eine große dekomprimierende und stabilisierende Operation durchgeführt werden, aber man gewinnt bis dahin etwas Zeit.




Endoskopische Bandscheibenoperation
Das ist eine neue Technik, die für den Patienten ganz erhebliche Vorteile bringt. Es gibt keine Intubationsnarkose, und bei geglückter Operation kann man nach 60 Minuten aufstehen. Der Krankenhausaufenthalt beträgt nur drei bis fünf Tage einschließlich der Voruntersuchungen im Krankenhaus.
Die nachfolgenden Videos zeigen Schritt für Schritt den Ablauf eines solchen Eingriffs.
Die posteriore lumbale interkorporale Fusion (PLIF)
Hinter dieser Bezeichung verbirgt sich eine Stabilisierung der Lendenwirbelsäule, wenn die Degeneration der kleinen Zwischenwirbelgelenke so weit fortgeschritten ist, dass minimale dekom- primierende/entlastende Verfahren nicht mehr sinnvoll sind. Über einen kleinen Mittellinienschnitt wird ein Schrauben/Stab-System implantiert, das sämtliche Rotations- und Biegungskräfte ableitet sowie ein metallener Bandscheibenersatz, der die vertikalen Kräfte aufnimmt.
Die Wirbelsäule ist danach wieder voll belastbar, und zwar auch für sportliche Aktivitäten (Reiten/Golf/Skifahren). Eine Schmerzmedikation ist in aller Regel nicht mehr erforderlich. Die Implantate der neuesten Generation können sogar über winzige Hautschnitte in perkutaner Technik eingebracht werden.



Der Bandscheibenvorfall der Brustwirbelsäule
Diese Bandscheibenvorfälle sind selten und werden häufig übersehen. Ich stelle Ihnen hier einen Fall mit einer Bauchmuskellähmung rechts vor, man kann das auf den Bildern gut erkennen. Die MRT´s vor der Operation zeigen den raumfordernden Bandscheibenvorfall, das Video ist recht eindrucksvoll, und man kann sich vorstellen wie stark die Nerven und das Rückenmark hier unter Druck stehen.
| intraoperativ, Bergung des Sequesters |
Die künstliche Bandscheibe der Halswirbelsäule
Bandscheibenvorfälle der Halswirbelsäule sind wegen der geringeren mechanischen Belastung wesentlich seltener als solche der Lendenwirbelsäule (allerdings auch gefährlicher). Seit einigen Jahren stehen anders als in der LWS ausgereifte Implantate zur Verfügung, die die Funktion des zerstörten Bewegungssegments fast vollständig übernehmen können. Es wird in der Operation über einen kleinen querverlaufenden Schnitt (ähnlich wie bei der Schilddrüsenoperation) von vorne die zertrümmerte Bandscheibe ersetzt, das Rückenmark und die gequetschten Nervenwurzeln befreit und unter kontinuierlichem NEUROMONITORIN der Potentiale die künstliche Bandscheibe unter dem Mikroskop eingesetzt. Die klinischen Ergebnisse sind hervorragend.
Seltene Erkrankungen der Wirbelsäule und des Rückenmarks
Gegenüber den degenerativen (Alters-) Erkrankungen der Wirbelsäule treten vaskuläre, also gefäßbedingte oder durch Tumoren verursachte Erkrankungen des Rückenmarks und der Nervenwurzeln eher in den Hintergrund. Sie lassen sich aber heute anders als früher hervorragend mit den kombinierten neuroradiologisch - interventionellen und mikrochirurgischen Verfahren behandeln, so dass Querschnitts- lähmungen selten geworden sind.













